Die besten Punk-Alben: 18 Platten von 1975 bis 1984
Die besten Punk-Alben von Horses bis Zen Arcade, dazu die deutschen Pioniere Male und Slime: 18 Platten mit Jahr, Label und Begründung.
Listen Veröffentlicht
Wer die besten Punk-Alben sucht, kommt an drei Platten nicht vorbei: Ramones (1976), Never Mind the Bollocks (1977) und dem Debüt von The Clash (1977). Sie haben die Regeln geschrieben, an denen sich alles Spätere gemessen hat. Unsere Liste reicht von Patti Smiths Horses im November 1975 bis zu Hüsker Düs Zen Arcade im Juli 1984. Dazwischen liegen die erste Welle in New York und London, ihre Ableger in Belfast und Derry, der amerikanische Hardcore und zwei deutsche Platten, die in internationalen Bestenlisten fast immer fehlen.
Nach welchen Kriterien wir ausgewählt haben
Jedes Album erschien zwischen 1975 und 1984 und stammt von einer Band, die aus einer Punkszene kam. Entscheidend war, ob die Platte etwas verändert hat und heute noch nach Aufbruch klingt, nicht ob sie sich gut verkauft hat. Pro Band nehmen wir meist nur ein Album, mit einer bewussten Ausnahme bei The Clash. Den geschichtlichen Rahmen liefert unser Beitrag zur Geschichte des Punk, die Londoner Ausgangslage beschreibt London 1976.
Die Liste
- Patti Smith, Horses (Arista, November 1975). John Cale produzierte, aufgenommen wurde in den Electric Lady Studios. Das Album erschien, bevor die Szene im CBGB überhaupt einen Namen hatte, und verband Lyrikvortrag mit Garagenrock. Es bewies, dass eine Band von der Bowery bei einem großen Label landen konnte, ohne glattgebügelt zu werden.
- Ramones, Ramones (Sire, April 1976). Vierzehn Songs in weniger als 30 Minuten. Die vier aus Queens reduzierten Rock ‘n’ Roll auf Abschläge, Kaugummi-Melodien und ein gezähltes Intro. In den USA verkaufte sich die Platte bescheiden, in England hörten sie im Sommer 1976 alle, die später selbst Bands gründeten.
- Television, Marquee Moon (Elektra, Februar 1977). Eigentlich das am wenigsten punkige Album dieser Liste: lange Stücke, zwei ineinandergreifende Gitarren, ein Titelsong von rund zehn Minuten. Es gehört trotzdem hierher, weil es aus demselben Club stammt und zeigte, dass die neue Szene auch Virtuosität aushielt.
- The Damned, Damned Damned Damned (Stiff, Februar 1977). Das erste vollständige Punk-Album einer britischen Band, schnell und billig von Nick Lowe produziert. Die Single New Rose vom Oktober 1976 gilt als erste britische Punk-Single überhaupt.
- The Clash, The Clash (CBS, April 1977). Roh, politisch und unverkennbar aus London. Die amerikanische CBS hielt das Album für zu ungeschliffen und brachte erst 1979 eine Fassung mit geänderter Titelliste heraus. Für Sammler sind die britische und die amerikanische Ausgabe zwei verschiedene Platten.
- Sex Pistols, Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols (Virgin, Oktober 1977). Aufgenommen, nachdem EMI und A&M die Band bereits gefeuert hatten, und trotzdem Platz eins in Großbritannien. Die dichte Produktion von Chris Thomas und Bill Price lässt die Band größer klingen, als sie live war. Ein Plattenladen in Nottingham musste sich wegen des Titels vor Gericht verantworten und wurde freigesprochen.
- Wire, Pink Flag (Harvest, November 1977). Einundzwanzig Stücke, viele kürzer als zwei Minuten, manche hören einfach auf. Wire behandelten Punk wie eine Versuchsanordnung, und von hier ist es nur ein kleiner Schritt zum Post-Punk.
- Buzzcocks, Another Music in a Different Kitchen (United Artists, März 1978). Pete Shelley schrieb über Unsicherheit und Liebe statt über Politik und bewies, dass Punk Ohrwürmer verträgt. Wer nur die Singles will, nimmt die Sammlung Singles Going Steady.
- X-Ray Spex, Germfree Adolescents (EMI International, November 1978). Poly Styrene war bei den Aufnahmen Anfang zwanzig und schrieb über Konsum, Kunststoff und Identität. Kaum ein Punk-Album hat ein so klares Thema und ist dabei so gut gelaunt.
- Stiff Little Fingers, Inflammable Material (Rough Trade, Februar 1979). Punk aus Belfast, mitten im Nordirlandkonflikt geschrieben. Platz 14 in Großbritannien, und damit gilt es als erstes Album eines unabhängigen Labels in den britischen Top 20.
- The Undertones, The Undertones (Sire, Mai 1979). Fünf junge Männer aus Derry, perfekte Zwei-Minuten-Songs über Teenager-Alltag. Die melodische Seite des Punk in Reinform.
- Male, Zensur & Zensur (1979). Die Düsseldorfer Band, Ende 1976 gegründet, nahm das erste durchgehend deutschsprachige Punk-Album auf. Musikalisch ist es grob und direkt, historisch ist es der Moment, in dem deutscher Punk die englische Sprache ablegte. Mehr zur Szene, die daraus hervorging, steht im Beitrag zur Neuen Deutschen Welle.
- The Clash, London Calling (CBS, Dezember 1979). Ein Doppelalbum zum Preis von ungefähr einer LP. Reggae, Rockabilly und Soul fließen ein, und genau deshalb ist das meistgelobte Album einer Punkband zugleich eines ihrer am wenigsten punkigen.
- Dead Kennedys, Fresh Fruit for Rotting Vegetables (Cherry Red, September 1980). Jello Biafras Satire und East Bay Rays Surf-Gitarre machten San Francisco zum Punk-Standort. Die Platte erschien zuerst in Großbritannien.
- Slime, Slime I (1981). Das Debüt der Hamburger Band ist das wohl einflussreichste deutsche Punk-Album der frühen Achtziger und prägte den politischen Deutschpunk für ein Jahrzehnt. Einzelne Stücke beschäftigten später die Behörden, was die Platte für Sammler zusätzlich interessant macht.
- Black Flag, Damaged (SST, November 1981). Das erste Album mit Henry Rollins am Mikrofon, langsamer und schwerer als der Hardcore um sie herum. MCA, das den Vertrieb übernehmen sollte, lehnte die Platte ab, SST brachte sie über einen unabhängigen Vertrieb heraus. Das bandeigene Label SST wurde zum Vorbild für unzählige US-Independents.
- Bad Brains, Bad Brains (ROIR, Februar 1982). Zunächst nur als Kassette erschienen. Die Band aus Washington spielte schneller und präziser als alle anderen und wechselte zwischen den Stücken in den Reggae.
- Hüsker Dü, Zen Arcade (SST, Juli 1984). Ein Doppelalbum aus Minneapolis, das eine lose Geschichte erzählt und die Hardcore-Regeln hinter sich lässt. Hier endet unser Zeitraum, und hier beginnt das, was später Alternative Rock hieß.
Was fehlt
Raw Power von den Stooges, das Debüt der New York Dolls und die Alben von MC5 sind unverzichtbar, entstanden aber, bevor Punk ein Begriff war. Sie stehen in der Geschichte des Punk. Blondies Debüt von 1976 mit Rip Her to Shreds kommt aus derselben Szene, passt aber mit seinem Sechziger-Pop besser zu New Wave. Die Buzzcocks aus Manchester sind mit ihrem ersten Album vertreten, ihre wichtigste Veröffentlichung war aber die EP Spiral Scratch, die wir unter Punk-Platten sammeln besprechen.
Reihenfolge zum Hören
Wer neu einsteigt, hört so: Ramones, The Clash, Never Mind the Bollocks, Buzzcocks, Pink Flag, Male, Damaged. Das ist eine Reise von der Vorlage über die britische Fassung und die deutsche Antwort bis zum Hardcore, in gut drei Stunden. Eine Übersicht über die Bands dahinter, mit deutlich mehr deutschen Namen, steht in unserer Liste der Punk-Bands.
Häufige Fragen
Welches ist das beste Punk-Album aller Zeiten?
Eine objektive Antwort gibt es nicht. Am häufigsten genannt werden Ramones (1976), weil es die Formel aus kurzen, schnellen Songs festlegte, und Never Mind the Bollocks (1977), weil es Punk in Großbritannien zum Skandal machte. London Calling gilt als bestes Album einer Punkband, geht musikalisch aber weit über Punk hinaus.
Was war das erste deutsche Punk-Album?
Als erstes durchgehend deutschsprachiges Punk-Album gilt Zensur & Zensur der Düsseldorfer Band Male aus dem Jahr 1979. Vorher hatten deutsche Bands vor allem Singles und Beiträge auf Samplern veröffentlicht, oft auf Englisch.
Welche Punk-Alben eignen sich für Einsteiger?
Ramones, The Clash und Never Mind the Bollocks sind kurz, direkt und leicht zu bekommen. Wer Melodien mag, greift danach zu Buzzcocks, wer es härter will, zu Black Flag oder Bad Brains.
Mehr aus Listen
-
Die besten New-Wave-Songs von 1977 bis 1983
Die besten New-Wave-Songs von Psycho Killer bis Blue Monday, dazu Ideal, Trio und Nena: 20 Singles mit Jahr, Label, Chartdaten und Begründung.
-
New-Wave-Bands: die 18 wichtigsten Gruppen
Die wichtigsten New-Wave-Bands aus New York, Akron, Sheffield, Basildon und West-Berlin: 18 Gruppen mit Gründungsjahr, Einstiegsplatte und Begründung.
-
Post-Punk-Bands: 20 Gruppen, die man kennen sollte
Post-Punk-Bands aus Manchester, Leeds, London, Düsseldorf, Hamburg und West-Berlin: 20 Gruppen mit Gründungsjahr, Schlüsselplatte und dem, was sie besonders machte.