Post-Punk-Bands, die man kennen sollte: von Joy Division bis Malaria!
Post-Punk-Bands aus Manchester, Leeds, London, Düsseldorf, Hamburg und West-Berlin: 20 Gruppen mit Gründungsjahr, Schlüsselplatte und dem, was sie besonders machte.
Listen Veröffentlicht
Post-Punk-Bands haben die Freiheit des Punk genutzt, um Rockmusik vom Bass her neu zu bauen. Die wichtigsten Namen: Joy Division, Wire, Gang of Four, Public Image Ltd, Siouxsie and the Banshees, The Fall und The Slits, aus Deutschland DAF, Fehlfarben, Einstürzende Neubauten und Malaria!. Fast alle gründeten sich 1976 bis 1980 unter dem Eindruck der ersten Punkwelle und veröffentlichten ihre wichtigsten Platten zwischen 1978 und 1982. Sie blieben bei kleinen Labels und Eigenverantwortung, hörten aber Dub, Funk, Krautrock und lasen Kunsttheorie. Was Post-Punk als Stil ausmacht, erklärt unser Beitrag Post-Punk erklärt.
So haben wir ausgewählt
Eine Band kam auf die Liste, wenn sie den Klang oder die Arbeitsweise des Post-Punk geprägt hat und ihre Schlüsselplatte bis 1984 erschien. Weil deutsche Bands in internationalen Listen fast immer fehlen, haben wir ihnen einen eigenen Block gegeben. Bands, die eher zum Synthpop gehören, stehen unter New-Wave-Bands.
Großbritannien und USA
- Pere Ubu (Cleveland, 1975). Gegründet, bevor Punk in England einen Namen hatte. The Modern Dance (1978) mischt Garagenrock mit Tonbandgeräuschen und Synthesizer-Gepiepe. Vieles spricht dafür, dass der erste Post-Punk aus Ohio kam.
- Wire (London, 1976). Nach dem Punk-Baukasten Pink Flag (1977) öffneten Chairs Missing (1978) und 154 (1979) den Raum. Chairs Missing zeigt die Wende am deutlichsten.
- Siouxsie and the Banshees (London, 1976). Ihr erster Auftritt war eine Improvisation beim Punk Festival im 100 Club im September 1976. The Scream (1978) klingt kalt und hallend und hat mit den Sex Pistols nichts mehr gemein.
- The Fall (Manchester, 1976). Mark E. Smith führte die Band bis zu seinem Tod 2018 durch unzählige Besetzungen. Einstieg: Hex Enduction Hour (1982).
- Joy Division (Salford, 1976). Gegründet nach dem Sex-Pistols-Konzert in der Lesser Free Trade Hall, zuerst unter dem Namen Warsaw. Martin Hannetts Produktion von Unknown Pleasures (Factory, Juni 1979) gab ihnen Weite und Kälte. Ian Curtis starb im Mai 1980.
- Magazine (Manchester, 1977). Howard Devoto verließ die Buzzcocks nach der EP Spiral Scratch und gründete eine Band mit Keyboards und Ehrgeiz. Einstieg: Real Life (1978).
- Public Image Ltd (London, 1978). John Lydons Band nach den Sex Pistols, mit dem Dub-Bass von Jah Wobble. Metal Box (1979) erschien zuerst als drei 12-Inch-Platten in einer runden Filmdose aus Metall.
- Gang of Four (Leeds, 1977). Studenten, die über Politik und Alltag schrieben, auf scharfkantigen Funk-Rhythmen. Entertainment! (September 1979) gehört zu den einflussreichsten Gitarrenalben des Jahrzehnts.
- The Slits (London, 1976). Eine Frauenband, die das Spielen auf der Bühne lernte. Cut (Island, September 1979), produziert von Dennis Bovell, holte Reggae und Dub so konsequent in den Post-Punk wie keine andere Platte.
- The Pop Group (Bristol, 1977). Wütend, politisch, nah am Free Jazz. Y (1979) ist bis heute anstrengend, und das ist Absicht.
- The Cure (Crawley, 1978). Vom kantigen Gitarrentrio auf Three Imaginary Boys (1979) zur düsteren Atmosphäre von Seventeen Seconds (1980), dem besten Einstieg.
- Bauhaus (Northampton, 1978). Die erste Single Bela Lugosi’s Dead (1979) dauert über neun Minuten und gilt als Startpunkt des Gothic Rock.
- The Smiths (Manchester, 1982). Ihr Debüt (Februar 1984) bei Rough Trade erreichte Platz zwei in Großbritannien und markiert das Ende der Post-Punk-Zeit.
Deutschland
- Fehlfarben (Düsseldorf, 1979). Hervorgegangen aus Mittagspause, mit Peter Hein am Mikrofon. Monarchie und Alltag (Oktober 1980) ist das deutsche Gegenstück zu Entertainment!: genau beobachteter Alltag und kühle, kantige Gitarren. Für viele die wichtigste deutsche Platte dieser Jahre.
- DAF (Düsseldorf, 1978). Deutsch Amerikanische Freundschaft schrumpften in wenigen Jahren von einer lärmenden Band auf Gabi Delgado und Robert Görl, Sequenzer, Schlagzeug und Stimme. Alles ist gut (1981), aufgenommen mit Conny Plank, beeinflusste Electronic Body Music und Techno.
- Der Plan (Düsseldorf, 1979). Kunstprojekt, Band und Label in einem: Über ihr Label Ata Tak erschienen eigene und fremde Platten in Kleinauflage. Einstieg: Geri Reig (1980).
- Abwärts (Hamburg, 1979). Harter, nervöser Punk mit Post-Punk-Kälte. Das Album Amok Koma (Oktober 1980) gehört zu den Grundplatten der Hamburger Szene.
- Xmal Deutschland (Hamburg, 1980). Als reine Frauenband gegründet, unterschrieb die Gruppe 1982 beim britischen Label 4AD, damals eine Seltenheit für eine deutsche Gruppe. Fetisch (1983) verbindet Post-Punk und Gothic.
- Malaria! (West-Berlin, 1981). Gudrun Gut, Bettina Köster und Mitstreiterinnen machten aus Bass, Synthesizer und Stimme eine sehr eigene, düstere Musik und spielten auch in New York.
- Einstürzende Neubauten (West-Berlin, 1980). Sie spielten auf Metall, Beton und Bohrmaschinen. Kollaps (1981) ist der radikale Anfang. Die Band steht an der Kreuzung von Post-Punk, Industrial und dem Berliner Flügel der Neuen Deutschen Welle.
New York als Parallele
Gleichzeitig spielte sich in New York eine noch härtere Verweigerung ab: No Wave mit DNA, Mars oder James Chance and the Contortions. Die Szene war kurzlebig, aber zwischen New York und West-Berlin gab es in diesen Jahren Kontakte und Auftritte in beiden Städten.
Das Revival
Ab etwa 2002 kehrte der Begriff zurück, als Interpol mit Turn On the Bright Lights sowie Franz Ferdinand und Bloc Party den Klang von Joy Division und Gang of Four aufgriffen. Heute werden Fontaines D.C. aus Dublin, Idles aus Bristol, Shame aus London und Molchat Doma aus Minsk so genannt, im deutschsprachigen Raum etwa Die Nerven aus Stuttgart. Wer über diese Bands hierher gekommen ist, findet in den Einträgen 1 bis 9 die Vorbilder.
Wo man anfängt
Unknown Pleasures, Entertainment!, Metal Box, Cut und Monarchie und Alltag nacheinander: Atmosphäre, Funk, Dub und deutscher Alltag. Die Vorgeschichte erzählt unsere Liste der Punk-Bands, die Londoner Ausgangslage der Beitrag London 1976.
Häufige Fragen
Welche Post-Punk-Bands sind die wichtigsten?
International werden Joy Division, Wire, Gang of Four, Public Image Ltd, Siouxsie and the Banshees, The Fall und The Slits am häufigsten genannt. Aus Deutschland gehören DAF, Fehlfarben und Einstürzende Neubauten in jede Aufzählung.
Gibt es deutschen Post-Punk?
Ja, und zwar früh und eigenständig. Fehlfarben, DAF, Der Plan, Abwärts, Malaria!, Xmal Deutschland und Einstürzende Neubauten entstanden zwischen 1978 und 1981 in Düsseldorf, Hamburg und West-Berlin. Viele wurden später unter Neue Deutsche Welle geführt, obwohl sie mit dem Schlager-Ende dieser Welle nichts zu tun hatten.
Welche aktuellen Bands werden Post-Punk genannt?
Seit dem Revival der frühen 2000er mit Interpol und Franz Ferdinand taucht der Begriff wieder auf. Heute werden etwa Fontaines D.C., Idles, Shame und die belarussische Band Molchat Doma so bezeichnet, im deutschsprachigen Raum auch Bands wie Die Nerven.
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