Rip Her to Shreds: der Song von 1976
Rip Her to Shreds erklärt: der Blondie-Song vom Debütalbum 1976, wie er entstand, wovon er handelt, die britische Single von 1977 und warum er bis heute spitz klingt.
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Rip Her to Shreds ist ein Song der New Yorker Band Blondie, geschrieben von Debbie Harry und Chris Stein. Er erschien im Dezember 1976 auf dem ersten Album der Band, Blondie, beim kleinen Label Private Stock, produziert von Richard Gottehrer. In Großbritannien brachte Chrysalis ihn Ende 1977 als Single heraus. Ein Hit wurde er nicht, und trotzdem gehört er zu den bekanntesten Songs der frühen Blondie, weil er Klang und Haltung der Band vor dem großen Erfolg genau einfängt: Punk-Tempo, eine billige Orgel, eine Melodie aus den Sechzigern und eine Sängerin, die eine fiese Rolle sichtlich genießt.
Der Song in Kürze
Rip Her to Shreds handelt vom Lästern. Die Erzählerin macht die Zuhörer auf eine Frau aufmerksam und lässt dann kein gutes Haar an ihr: nicht an ihrem Aussehen, nicht an ihrer Kleidung, nicht an ihrem Getue. Der Ton ist der einer Clique an der Theke, die jemanden entdeckt hat, den sie nicht leiden kann. Es gibt keine Geschichte, keine Auflösung und keine Moral. Der Song ist ein Porträt im Stil einer Klatschspalte, vertont.
Das Entscheidende ist, dass der Witz in beide Richtungen geht. Lächerlich wird nicht nur die Frau, über die gelästert wird, sondern auch die Lästernde selbst. Debbie Harry singt die Rolle mit einer Mischung aus Langeweile und Bosheit, und man weiß nie ganz, ob man mit ihr oder über sie lachen soll. Diese doppelte Ironie ist typisch für den Umgang der frühen Blondie mit Popformen.
Den Text geben wir hier nicht wieder, auch nicht in Auszügen. Wer ihn mitlesen möchte, hört den Song oder nutzt einen lizenzierten Songtext-Dienst.
Wie der Song entstand
Blondie gehörten seit 1974 zur Szene im CBGB, neben Television, den Ramones und Talking Heads. 1976 bestand die Band aus Debbie Harry (Gesang), Chris Stein (Gitarre), Clem Burke (Schlagzeug), Jimmy Destri (Keyboards) und Gary Valentine (Bass). Sie unterschrieb bei Private Stock und nahm das Debüt mit Richard Gottehrer auf.
Das passte. Gottehrer hatte in den Sechzigern den Girlgroup-Hit My Boyfriend’s Back für The Angels mitgeschrieben und zusammen mit Seymour Stein Sire Records gegründet. Er kannte die Tradition, mit der Blondie spielten, genau: die Shangri-Las, die Ronettes und andere Girlgroups, deren Platten Teenagerdrama mit großen, einfachen Melodien verbanden. Das ganze Album ist von diesem Klang geprägt, von X Offender bis In the Flesh, und Rip Her to Shreds ist sein bissigstes Stück.
Wie er klingt
Das Arrangement ist schlank. Jimmy Destris Orgel gibt die Sechziger-Farbe, Clem Burke treibt den Song mit einem geraden, kräftigen Beat, Chris Steins Gitarre bleibt mit kurzen, abgehackten Akkorden im Hintergrund. Darüber liegt Harrys Gesang, vorgetragen wie von einer Schauspielerin, die eine Rolle spricht. Die Produktion ist trocken und direkt, nah an dem, wie die Band live klang.
Neben den Ramones-Platten desselben Jahres wirkt der Song langsamer und verspielter. Neben dem Softrock im Radio von 1976 wirkt er kurz, billig und frech. Genau in dieser Mitte zwischen Punk und Pop fanden Blondie später mit New Wave ihr Massenpublikum.
Veröffentlichung und Charts
Das Debüt erschien Ende 1976, Private Stock brachte X Offender und In the Flesh als Singles heraus. 1977 kaufte Chrysalis Blondie aus dem Vertrag, legte das Album neu auf und veröffentlichte im November 1977 in Großbritannien Rip Her to Shreds als Single, mit In the Flesh und X Offender auf der Rückseite. In die britischen Charts kam sie nicht, die einzige belegte Platzierung ist eine niedrige in Australien.
Der Durchbruch in Großbritannien folgte kurz darauf. Denis vom zweiten Album Plastic Letters erreichte Anfang 1978 Platz zwei, und mit Parallel Lines und Heart of Glass wurden Blondie zu einer der größten Popbands der Welt.
Die anderen Songs vom Debüt
Wer Rip Her to Shreds mag, sollte das ganze erste Album hören. Es ist kurz, schnell und voller Anspielungen auf Groschenhefte, B-Movies und Sechziger-Pop:
- X Offender. Die erste Single, ursprünglich mit einem drastischeren Titel, den das Label entschärfte.
- In the Flesh. Eine Ballade im Stil der Girlgroups, das Gegenstück zum Spott von Rip Her to Shreds.
- A Shark in Jets Clothing. Schon der Titel spielt mit der West Side Story.
- The Attack of the Giant Ants. Science-Fiction-Kino der Fünfziger als Popsong.
- Kung Fu Girls. Ein Titel wie aus dem Bahnhofskino der Siebziger, gespielt im Punk-Tempo.
Warum der Song bis heute zählt
In Rip Her to Shreds ist die spätere Strategie der Band schon sichtbar: eine bekannte Popform nehmen, sie mit Punk-Energie spielen und Ironie hinzufügen. Später machten Blondie dasselbe mit Disco, Reggae und Rap. Der Song zeigt auch den Humor der frühen New Yorker Punk-Szene, der hinter Lederjacken oft vergessen wird: ein kleiner, enger Kreis, in dem man sich gegenseitig beobachtete, die Kleidung der anderen kommentierte und daraus Songs machte.
Viele Fans mögen ihn gerade deshalb, weil er kein Hit war. Er gehört in die Zeit, als Blondie noch eine Clubband von der Bowery waren.
Warum dieses Magazin so heißt
Dieses Magazin heißt Rip Her to Shreds nach dem Song. Der Titel steht für das, was uns an Punk und New Wave zwischen 1974 und 1984 interessiert: spitz, kurz, witzig und unsentimental. Mit Blondie, den Bandmitgliedern, dem Management oder einer Plattenfirma haben wir nichts zu tun. Mehr dazu auf unserer Seite Über uns.
Weiterlesen
Die ganze Geschichte der Band vom CBGB bis in die Charts steht in unserem Porträt von Blondie. Der Song, der sie weltberühmt machte, ist Heart of Glass. Weitere Songs der Zeit finden Sie unter den besten New-Wave-Songs.
Häufige Fragen
Wer hat Rip Her to Shreds geschrieben?
Debbie Harry und Chris Stein, die beiden Gründer von Blondie. Sie schrieben einen großen Teil des frühen Materials gemeinsam.
Auf welchem Album ist Rip Her to Shreds?
Auf Blondie, dem Debütalbum der Band, im Dezember 1976 bei Private Stock erschienen und von Richard Gottehrer produziert. Nachdem Chrysalis 1977 den Vertrag übernommen hatte, wurde das Album dort neu aufgelegt.
War Rip Her to Shreds ein Hit?
Nein. Die britische Single von Ende 1977 kam nicht in die Charts. Der Durchbruch in Großbritannien gelang Blondie wenige Monate später mit Denis Anfang 1978.
Was bedeutet der Titel Rip Her to Shreds?
Wörtlich heißt er sinngemäß, sie in Stücke reißen oder kein gutes Haar an ihr lassen. Gemeint ist das Zerreißen durch Klatsch, nicht körperliche Gewalt. Genau darum geht es im Song.